
Polizisteneigentor
Beitrag von Vollstrecker, am 13.04.2009
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Letztens kam ich in eine Polizeikontrolle. Eine von denen, wo die nach dem Zufallsprinzip irgendwen rauswinken, weil ich war weder zu schnell noch nicht angeschnallt noch hatte mein Auto irgendwelche auffälligen baulichen Veränderungen, halt einfach eine allgemeine Kontrolle.
Dem netten Herren in Grün dann auch brav meine Papiere gegeben, er verschwand in seinem Polizeibus und überprüfte. Und kam nicht wieder. Nach 5 Minuten ging ich dann mal rüber, und er machte gerade ein kleines Raucherpäuschen. Ich wies freundlich darauf hin, dass ich auf dem Weg zu einem Termin bin und was denn nun mit der Kontrolle sei.
Naja, es war einer dieser ganz jungen Polizisten, die sich noch ihre Sterne verdienen müssen, und das geht ja am besten, in dem man irgendwas feststellt, und er begann mich zu nerven und zog sein volles Programm durch, jedes Fliegensch*** zu kontrolliere, Verbandskasten blablub, wieso ich meine AU-Bescheinigung nicht dabei hätte (es gibt keine Mitführpflicht, glaubte er mir aber nicht) usw. usw. usw., 25 Minuten hat er mich kontrolliert, und hat nichts finden können, und ich hab dann meinen Termin verpasst.
Das war am Freitag.
Dann kam der Montag, ich sitze in meinem Büro, warte auf meinen ersten "Kunden". Dieser kommt auch pünktlich (das tun die meisten), und als er in mein Büro tritt, wird er ein wenig bleich und ihm entgleisen die Gesichtszüge. Auch ich erkenne ihn, es ist der nette Herr von der Polizei vom Freitag. Ich setze mein freundlichstes Lächeln auf, kann die Spur eines breiten Grinsens nicht ganz verbergen, und bitte ihn, Platz zu nehmen.
"Dann wollen wir uns ihren Fall mal ganz genau ansehen", sage ich zu ihm, und er beginnt, sich zu entschuldigen für den Freitag, denn von meinem Urteil hängt jetzt ne Menge für ihn ab.
Achso, ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich Vollstreckungsbeamter beim Finanzamt bin.


Kommentare
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KojiroAK am 05.03.2010 (
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@Kala
Redest du von mir?

Kala am 05.03.2010sehr sehr gut ;)

DKR am 24.05.2009 (
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Jo, und die sind sogar relativ preiswert im Vergleich zu anderen Vollstreckern.
(war halt mal sehr knapp bei Kasse)

Eisenzahn am 24.05.2009 (
® Profil)
"Zudem haben Finanzämter meist keine eigene Beamte"
Also ich darf dir aus berufenem Munde verraten, dass das in Deutschland anders ist.

Gerichtsvollzieher am 23.05.2009Sorry, aber Vollstreckungsbeamte oder Vollzugsbeamte snd ausführende Beamte, die nix prüfen sondern vollstrecken. Zudem haben Finanzämter meist keine eigene Beamte sondern beauftragen die jeweilige Landes(bezirks)kasse entsprechende Bescheide der öffentlichen Hand die Kohle einzuziehen. Ich glaub', der Eintrag ist ein wenig Wunschdenken. Aber... trotzdem nett.

Eisenzahn am 14.05.2009 (
® Profil)
Dann lies die anderen auch noch.
Vielleicht wird dein nächster Kommentar dann qualifizierter.
--
Ich möchte arbeitsfähig bleiben. (Wiefelspütz)

Da_Dude am 14.05.2009 Dudetown Republic of Dudeerin
Hmm,... ich habe mir jetzt nur die ersten paar Kommentare durchgelesen.
Bzgl. der Leute die den Spielraumes der Finanzbeamten verteufeln:
Schonmal den Spruch "Dienst nach Vorschrift" gehört?
Das kann mächtig in die Hose gehen für den Gegenüber.
Für die Story vergebe ich 10 Punkte ;), weiter so :D.

TomKo am 15.04.2009 (
® Profil)
@biologe
... schon klar (gilt zwar nicht für mich, da mir jeder erst beweisen muß, daß er ein Arschloch ist bevor ich ihn auch so behandele - aber das ist meine persönliche Theologie)
Ich bin aber vom im Artikel angesprochene und hier mehrfach kommentierte "Man trifft sich immer 2x" ausgegangen.
Toms Erweiterung:
1. "Man trifft sich immer 2x"
2. "Das 2. Mal ist immer auch ein 1. Mal"
Fressen für die Rekursiologen ;-))

biologe am 15.04.2009 (
® Profil)
@ TomKo:
Du hast schon recht. Aber nur unter der Voraussetzung, dass die Akteure wiederholt aufeinander treffen.
"Tit for Tat" mit gelegentlichem Verzeihen ist tatsächlich die beste Strategie. Aber leider kommt sie mit einer grossen Einschränkung daher: Wenn du nur einmal auf eine andere Person triffst und er dich beim Treffen bestraft, hast du keine Chance, ihn ein späteres Mal zu bestrafen.
Rechnest Du damit dass du jemanden nur ein einziges Mal treffen wirdst bestrafst/betrügst Du ihn vorsichtshalber.

TomKo am 15.04.2009 (
® Profil)
Um mal zur Ethik-Diskussion beizutragen:
Einfach mal Spieltheorie anwenden. Es gibt Wettkämpfe, wo Computerprogramme gegeneinander im "Gefangenendilemma" antreten. Eine erfolgreiche Strategie ist "Tit For Tat" - entspricht "Wie Du mir so ich Dir" wobei in der ersten Runde kooperiert wird (Was Du nicht willst was man Dir Tu..."). Eine leichte Verbesserung ergab sich, wenn man das Programm auch mal "außer der Reihe" kooperieren ließ.
Ich denke, dieses Ergebnis läßt sich auch gut auf das tägliche Leben übertragen wenn es um langfristige Interaktionen geht.
Nein, ich erkläre jetzt nicht jedes Detail. Wikipedia hat einen Eintrag zu "Tit For That"

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